Untersuchungen zur Raumnutzung und Durchführung einer Gefährdungsgradanalyse an einer Population der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis Linnaeus, 1758) in NO-Deutschland. Regina Paul
Details zum Inhalt:
Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) besiedelt ein
weites Verbreitungsareal, das sich von der Iberischen Halbinsel und
Nordafrika über fast das gesamte Europa bis zum Aralsee in Zentralasien
erstreckt. Ausgenommen sind hiervon nur Skandinavien und England, so
dass sich die deutschen Populationen im nördlichen Arealteil befinden.
Berichte über den intensiven Handel mit Sumpfschildkröten in vorigen
Jahrhunderten sind ein deutlicher Hinweis, dass es sich bei den
deutschen Vorkommen nicht um Randvorkommen mit natürlicherweise geringer
Populationsgröße handelt. Heute sind die Sumpfschildkröten in
Deutschland akut vom Aussterben bedroht. Eine Vielzahl von anthropogenen
Einflüssen haben sich negativ auf die Schildkrötenbestände ausgewirkt.
An erster Stelle ist hier der Verlust von Lebensraum und der Fang von
Schildkröten zu nennen. Inzwischen werden die Größen der
brandenburgischen Vorkommen auf je maximal 10-15 Tiere geschätzt. Selbst
bei optimalen Lebensbedingungen ist abzusehen, dass diese Vorkommen
aufgrund von demographischen Zufallsprozessen in naher Zukunft
ausgestorben sein werden, wenn Schutzmaßnahmen erfolglos bleiben.
Um grundlegende Daten im Hinblick auf populationsdynamische Prozesse der
untersuchten Population zu erhalten, wurden die Populationsgröße, das
Geschlechterverhältnis und die Brutbiologie der Schildkröten erfaßt. Die
Raumnutzung der Schildkröten wurde hinsichtlich saisonaler und
individueller Unterschiede untersucht. Eine Gefährdungsgradanalyse (PVA)
wurde durchgeführt, um die für die Populationsentwicklung
ausschlaggebenden Faktoren herauszuarbeiten. Hierzu wurde ein
computergestütztes Simulationsmodell (EMYS-I) entwickelt, da es bei der
Langlebigkeit der Schildkröten nicht möglich ist, die
Populationsentwicklung allein anhand der Felddaten abzuschätzen. Mit
Hilfe des Modells wurde der Einfluss verschiedener Schutzmaßnahmen auf
das Wachstum der untersuchten Population abgeschätzt. Auf Basis der
gewonnenen Erkenntnisse wurde ein Schutz- und Monitoring-Konzept
entwickelt und Grundbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung
dargelegt.





















